Meine Firma ist… wie soll ich sagen… fast wie eine Behörde. Wir sind so innovativ wie ein Felsen: Veränderungen nimmt man nur wahr, wenn man es in Zeitraffer aufnimmt. So sind wir erst Ende letzten Quartals auf .NET 3.5 umgestiegen, und das ist schon fast wieder überholt. Mit den Rechnern sieht es nicht besser aus. Selbst ich als PC-Entwickler (der ich schon eines der besseren Geräte auf meinem Tisch stehen habe) arbeite mit einem Gerät, das schon in die Jahre gekommen ist. Denn unsere Hardwaretruppe braucht ewig, um eine Gerätegruppe zu zertifizieren. So war es denn fast ein kleines Wunder, dass neue Rechner angekündigt waren. Ausgestattet mit DualCore Prozessoren, 4 GB RAM und eine 500 GB Platte. Wenn jemand lächeln möchte, so sei ihm gesagt, dass mein aktuelles Gerät 160 GB und 2 GB RAM hat, und das Teil davor wies nur 20 GB aus bei 1 GB RAM.
Montag tauchte einer auf und stellte mir so einen neuen Rechner hin mit Tastatur und Maus. Anschluss? Meine Sache. Software installieren? Das gleiche. Nun, momentan kocht mein A*** in der Hose, so viel Arbeit habe ich um die Ohren, und so ist es nicht verwunderlich, dass ich nicht damit gerechnet hätte, vor übernächster Woche das neue Teil überhaupt erst einmal einzuschalten. Heute sah ich eine Kollegin, die einen Karton mit so einem Rechner in ihr Büro schleppte. Als ich fragte, wieso sie das mache, bekam ich zur Antwort, dass die Kartons mit Inhalt heute unten beim Lieferanteneingang an der Rampe abgestellt worden waren, und die Kollegen sich die Geräte selbst abholen sollten. Das wunderte mich wirklich, denn ohne unsere Hardware-Fuzzis dürften wir nicht einmal den Monitor umstellen, geschweige denn Rechner tragen. Aber gut.
Etwa eine Stunde später rief sie mich an. Bei ihr war ein Kollege aus der Architektur. Wo ich denn den Rechner her hätte, wer denn das Image aufgespielt hätte, welches Betriebssystem dabei wäre, ob ich Probleme beim Einschalten gehabt hätte… ich musste abwehren: „Der Rechner war noch nicht einmal an.“ Wie sich herausstellte, hatte unser Geschäftsführer mit der Faust auf den Tisch geschlagen, weil die Modernisierung der IT so lahmarschig vonstatten ginge. Also war jemand anscheinend auf die glorreiche Idee gekommen und hatte an der Hardwareabteilung vorbei Rechner geordert, notdürftig mit einem Betriebssystem ausgestattet und zur Verteilung freigegeben. Auf alle Fälle sind die Geräte nicht dafür geeignet, an unser Netzwerk angeschlossen zu werden, geschweige denn damit zu arbeiten.
Arbeiten wir binär? Entweder nahe 0 oder unkontrolliert mit Vollgas? Professionell sieht anders aus. Zum Glück habe ich die nächsten Wochen eh keine Zeit, mich darüber zu ärgern.