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Erschreckender Unterschied

Auf meinem Rechner sind Windows XP und Linux installiert. Das liegt daran, dass ich ab und zu Tools entwickle, die ich in der Firma nutzen kann. (Ich könnte das natürlich auch in Java schreiben, aber wenn Kollegen die Tools auch nutzen möchten, muss ich das auch in einer Sprache schreiben, die sie akzeptieren.) Ich benutze aber auch gerne Linux, obwohl die Philosophie komplett anders ist.

Nun wollte ich mir gestern das DVD-ISO-Image einer neuen Version einer Linux-Distribution herunterladen und dann brennen. Unter Windows XP fing es einigermaßen begeistert an mit fast 300 kB/s, stürzte dann aber recht schnell ab und kam nur noch selten über 80 kB/s. Mehrere Neustarts brachten gar nichts. Heute morgen wollte ich mir den Rest herunterladen, da brach der Download kurz vor Ende endgültig ab. Mehrere Versuche, den Vorgang abzuschließen, schlugen fehl, es kam kein einziges Byte mehr durch die Leitung.

Mist. Mehrere Stunden für die Tonne. Hinzu kommt, dass ich unter Windows das merkwürdige Phänomen habe, dass die Browser (ja, ich habe mehrere) den Kontakt zum Internet verlieren, obwohl ich weiterhin chatten und Mails senden und empfangen kann. Ich kann auch mit ping die Webseiten erreichen, aber eben nicht in einem Browser.

Also startete ich gerade Linux, um den Download zu starten. Mein Kinnladen fiel allerdings Richtung Bauchnabel, als ich sah, dass die Übertragungsrate nie unter 580 kB/s ging. Wenn das so weiter geht, ist die ISO bald auf meinem Rechner. Das hätte ich viel früher machen sollen. Mist. Doppelmist.

(Die vielen Links habe ich übrigens eingebaut, falls Frau Zypries mitlesen sollte. Sie ist doch von Fachbegriffen immer so herausgefordert, obwohl sie zu jedem Thema stets eine Meinung hat.)

Faule Übersetzer

Welcher Vollidiot ist eigentlich auf die hirnrissige Idee gekommen, das englische Wort „definition“ mit „Definition“ zu übersetzen? Vermutlich sind das die gleichen Sprachdeppen, die „Deutschlands meiste Kreditkarte“, „unkaputtbar“ und ähnliche Sprachverbrechen auf dem Gewissen haben, von unnützen und unsäglichen Anglizismen gar nicht zu sprechen. Kein Wunder, dass die Jugend kaum noch die deutsche Sprache beherrschen, wenn sie im Circus nur falschen Mist zu hören kriegen.

Ergänzung
Die meisten wissen vermutlich nicht, wovon ich rede. Mein Gemüt erhitzte sich an den Werbesprüchen der Kosmetikindustrie.

Wikironie

Momentan sammelt Wikipedia Spenden und wirbt um Autoren von Artikeln. Da fiel mir folgendes Werbebanner in die Augen:

Das nenne ich mal Selbstironie. Immerhin schaffen die dortigen Blockwarte Administratoren immer wieder Platz für neue Artikel… was sich bei der Spendenaktion in kreativer Kritik äußerte.

Der heimliche Herrscher

Es bedurfte des Todes Robert Enkes, um eine öffentliche Diskussion über Depressionen anzustoßen. Dabei begehen jedes Jahr tausende Menschen wegen Depressionen Suizid. Es gab auch andere sehr bekannte Prominente, die sich wegen Depressionen selbst töteten. Auch ich litt lange unter dieser Krankheit.

Depressionen rauben einem alle Energie, und irgendwann ist nur noch Antrieb für die Selbsttötung vorhanden. Betroffene gehen selten offen damit um, und wenn, dann spielen sie den Grad der Gefährdung deutlich herunter. Denn noch immer gilt in weiten Teilen der Bevölkerung, dass Depressionen ein Zeichen von Schwäche sind. Durch Verwechslung mit einer einfachen Traurigkeit bzw. Niedergeschlagenheit wird die Depression auch verharmlost.

Hoffen wir, dass endlich offener über diese Volkskrankheit gesprochen wird. Denn Betroffenen kann nicht durch Verschweigen oder Verharmlosung geholfen werden.

Ein Hauch von Ironie

Seit ein paar Tagen werden massenweise Kreditkarten gegen neue ausgetauscht, weil es bei einem spanischen Dienstleister Unregelmäßigkeiten gegeben hatte.

Heute finde ich Werbung meiner Bank in meinem Briefkasten.

Ihr spanisches Weinpräsent!

Im Flyer geht es um mehr Schutz beim Internet-Shopping mit „Ihrer“ Kreditkarte.

Na, wenn das keine Ironie ist…

Eigentlich sah mein Zeitplan so aus, dass ich nächstes Jahr eine mindestens zweiwöchige Reise nach Norwegen unternehme, um mir mein Zielland für die Auswanderung mal „unter der Haube“ anzuschauen. Damit meine ich, dass ich nicht Sehenswürdigkeiten bereise, sondern mir die beiden Städte von der Alltagstauglichkeit anschauen wollte. Übernächstes Jahr wollte ich dann (wenn alles gut aussieht) nach Arbeit und Wohnraum suchen.

Diese Pläne wurden durch mehrere unvorhergesehene Ausgaben und Termine leicht torpediert. Zum einen gibt es nächstes Jahr schon eine Reise, die finanziell nicht ohne ist (zwar privat, aber dennoch nicht gerade billig). Zum anderen sagte mir mein Zahnarzt in einer Untersuchung neulich, dass ich für meinen Unterkiefer noch eine Teilkrone aus Gold benötigte, weil dort ein paar Beißerchen schon auf dem Zahnbein gingen. Seine erste vorsichtige Grobschätzung ging von einem Anschaffungswiderstand von ca. 400 EUR aus. Da musste ich schlucken, und nicht nur, weil ich den Mund ausspülte.

Mein neuer Plan sieht also wie folgt aus: Ein weiteres Jahr Norwegisch lernen (zumindest die passenden Dialekte meiner Zielstädte), übernächstes Jahr die Städte anschauen, und über-übernächstes Jahr versuchen, die Akte „Deutsche Staatsangehörigkeit Cyrus McDugan“ zu schließen. Das bedeutet zwar, dass ich mindestens 1 Jahr Großraumbüro ertragen müsste, aber ich war verheiratet, und so etwas härtet ab.

Teurer Zucker

„Dank“ meiner Laktoseintoleranz ist Milchgenuss kompliziert. Früher konnte ich noch mehrere Liter des weißen Saftes am Tag trinken, dann vertrug ich gerade mal noch ein kleines Gläschen in 24 Stunden. Umso erfreuter war ich, als auf dem Markt laktosefreie Milch auftauchte. Leider gab es ein großes Problem: Diese besondere Milch gibt es nur als H-Milch, und die schmeckt immer irgendwie… ungünstig. Durch das Produktionsverfahren kommt noch ein merkwürdig süßlicher Beigeschmack dazu. Um nun meinem Laster frönen zu können, nehme ich gerne Kakaopulver. Einer der ganz großen Hersteller am Markt hat zwar mit 32% einen hohen Kakaoanteil im Produkt, ist aber auch weit vorn im Preis. Deshalb war ich vor ein paar Jahren ganz froh, als ich feststellte, dass der Hersteller einer bekannten Schokoladenmarke nicht nur günstiger war, sondern auch mit 33% Kakaoanteil noch ein wenig mehr bot. Immerhin ist die Milch auch deutlich teurer, also fand ich die Aussicht, beim Pulver Geld sparen zu können, sehr verlockend.

Doch als ich jetzt eine neue Packung des Geschmackverbesserers kaufte, warf ich erneut einen Blick auf die Verpackung. Groß war mein Erstaunen, als ich lesen musste, dass der Kakaoanteil auf 25% gesunken war. Das Konkurrenzprodukt liegt weiterhin bei 32%. Der geneigte Leser wird wohl nachvollziehen können, dass ich wütend wurde. Ich werde wohl meine Einkaufsgewohnheiten (wieder einmal) ändern müssen.

Und wenn mich jetzt jemand fragt, warum ich mir nicht einen Kakao auf die klassische Art anrühre (Kakao, Zucker und Milch erhitzen und verrühren), muss ich leider antworten, dass dies für mich nur ein schneller Genuss zwischendurch ist. Ich will nicht viel Arbeit darauf verschwenden, insbesondere, weil ich eben lieber kalten Kakao mag.

Gerechtes Urteil

Der Mörder der Ägypterin Marwa El-Sherbini ist vom Landgericht Dresden zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Wegen der besonderen Schwere der Schuld, die das Gericht festgestellt hatte, darf er auf eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren nicht hoffen. Die erste Äußerung aus der islamischen Welt stammt vom ägyptischen Botschafter Ramzy Ezzeldin Ramzy, der sich mit dem Urteil zufrieden zeigte. Dem kann ich nur zustimmen.

Was einen wundern könnte, war die Strategie der Verteidigung. Die plädierte u.a. auf eine Tat im Affekt. Dagegen spricht aber, dass der Angeklagte das Messer zur damaligen Verhandlung mitgebracht hatte. Wo ist da der Affekt? Vielleicht aber hat die Verteidigung nur versucht, jedes Register zu ziehen, um ein milderes Urteil zu erwirken. Das ist ihr gutes Recht (solange es im Rahmen der Rechtsstaatlichkeit bleibt), und man hätte sich wundern müssen, hätte die Verteidigung es nicht versucht. Gegen Ende des Prozesses war auch noch ein Dokument aus Russland aufgetaucht, das dem Angeklagten eine „nicht differenzierte Schizophrenie“ bescheidigt hatte. Doch das Gericht schien dem Gutachter gefolgt zu sein, der dem Angeklagten eine volle Straffähigkeit attestierte.

Bleibt noch die Frage, wie sich ein derartiger Fremdenhass und vor allem ein Hass gegen Muslime aufbauen konnte. Liegt es vielleicht an der (nicht mal unterschwellig) immer wieder geäußerten Warnung vor islamistischen Terroristen, die als Grund für verschärfte Überwachung und Datensammlungen Seitens des Staates genannt wurde? Das ist jedenfalls ein nicht zu verachtender Faktor, und gerade der Staat muss – in Kenntnis der deutschen Vergangenheit – sehr vorsichtig mit solchen Warnungen umgehen. Aber nichts ist für einen Überwachungsfanatiker nichts geeigneter als ein diffuser Feind, dessen einziges fassbares Charakteristikum die Religionszugehörigkeit ist. Ich konnte nach den Anschlägen in New York, Madrid und London beobachten, dass in den öffentlichen Verkehrsmitteln Muslime in eher traditioneller Bekleidung – Kaftan und Burka – von einigen Mitreisenden ein wenig misstrauisch angeschaut wurden.

Ob Berufung eingelegt werden darf, und ob die Verteidigung diesen Weg gehen will, ist anscheinend noch nicht bekannt.

Die Abstauber

Ein Abend mit lauter Beiträgen über den Mauerfall nähert sich dem Ende. Was dabei unangenehm auffällt, ist die merkwürdige Selbstbeweihräucherung der Politiker. Abgesehen von Günter Schabowski (mit der denkwürdigen Fehlinterpretation eines noch nicht genehmigten Gesetzentwurfes) und von Michail Gorbatschow (der genug mit seinem Land zu tun hatte), hatte kein Politiker etwas mit der Maueröffnung zu tun. Es waren die Demonstranten und die Bürgerrechtler, die den Prozess des Zerfalls der DDR vorantrieben, und es waren die Volkspolizei, die Grenztruppen und die Volksarmee (teils durch Verunsicherung und Entscheidungsangst, teils durch einen gewissen Grad an Zivilcourage), dass es keine blutigen Zwischenfälle gegeben hatte.

Hinzu kam, dass die Sowjetunion, geschwächt durch eigene Krisen, aber auch durch ihren Umbau (Stichworte Perestroika und Glasnost) weder Geld noch Interesse hatte, die politische Entwicklung der Bruderstaaten zu behindern. Das vergreiste Politbüro der DDR wusste gar nichts von den Vorgängen, oder sie schätzten die Lage vollkommen falsch ein. Wenn in einer streng hierarchischen Diktatur das eine oder andere Kettenglied ausfällt, bricht die gesamte Befehlskette in sich zusammen. Denn keiner wagt es, ohne Genehmigung eine eigene Entscheidung zu fällen. Ein wenig erinnerten die Machtstrukturen Ostdeutschlands an die Tennessee Fainting Goats.

Die Westpolitiker standen abseits und wussten zuerst nicht so recht, was sie damit anfangen sollten. Doch als die ersten Mikrofone unter ihre Nasen gehalten wurden, fingen sie an zu sabbeln und rissen die Lorbeeren an sich. Im Grunde saßen sie unter einem Apfelbaum, und die reife Frucht fiel in ihren Schoß. „Kanzler der Einheit“. Korrekt müsste es heißen „Kanzler zum Zeitpunkt der Einheit“.

(Und dass die blühenden Landschaften durch Unkraut entstanden, weil Arbeitsplätze wegfielen und Geld ausblieb, ahnte auch keiner. Aber Dank ABM wird es allmählich besser.)

20 Jahre, 71 Jahre

Der 9. November ist in der deutschen Geschichte ein historischer Tag. Viele vergessen, dass neben dem Mauerfall auch noch düstere Kapitel gehören.

Und genau die Reichspogromnacht darf nicht vergessen werden. Denn es kann jederzeit und überall wieder brennen. Damals waren es die Synagogen, vielleicht sind es irgendwann Moscheen oder andere Einrichtungen von Randgruppen. Es muss auch nicht unbedingt in Deutschland sein, wie das Beispiel Srebrenica zeigt.

Feiern wir die Freiheit. Vergessen wir dabei aber nicht, dass die Freiheit ein zerbrechliches Pflänzlein ist und viel Rindviecher unterwegs sind, die darauf herumtrampeln oder es gar fressen wollen.

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